Hongaku-san....
Das Hongaku Denken (Lehre der „ursprünglichen Erleuchtung“), wie es besonders im japanischen Tendai Buddhismus ausgeprägt wurde. Der Hymnus verdichtet in wenigen Zeilen eine radikale Sicht: Erleuchtung ist nicht etwas, das erst erreicht werden muss, sondern etwas, das immer schon vollständig gegenwärtig ist.
1. 歸命本覺心法身 – Zuflucht zum Dharmakaya des ursprünglichen Geistes
Hier wird nicht ein äußerer Buddha angerufen, sondern der Dharmakaya (Wahrheitskörper) als eigener Geist erkannt. „Zuflucht nehmen“ bedeutet: Vertrauen in die tiefste eigene Natur.
→ Die höchste Realität ist nicht außerhalb von dir.
2. 常住妙法心蓮台 – Der ewige Lotus-Thron des Geistes
Der „Lotus-Thron“ ist ein klassisches Symbol für Reinheit und Erwachen. Dass er „ewig“ ist, bedeutet: Dieser Zustand ist nicht vergänglich.
→ Erwachen ist kein Moment, sondern ein immer schon vorhandener Zustand des Geistes.
3. 本来具足三身徳 – Die drei Buddha-Körper sind von Anfang an vollständig
Die drei Körper (Trikaya: Dharmakaya, Sambhogakaya, Nirmanakaya) sind nicht etwas, das ein Buddha erst erlangt.
→ Jeder Geist trägt bereits die volle Buddha-Struktur in sich.
4. 三十七尊住心城 – Die 37 Gottheiten wohnen in der Burg des Geistes
Die „Burg des Geistes“ ist ein Bild für das Innere. Die 37 können auf verschiedene buddhistische Systeme verweisen (z. B. Erleuchtungsfaktoren oder esoterische Gottheiten).
→ Alle spirituellen Kräfte und Qualitäten sind im eigenen Bewusstsein enthalten.
5. 普門塵数諸三昧 – Unzählige Samadhis öffnen sich
„Staubkorn-zahlreich“ heißt: unendlich viele meditative Zustände.
→ Der Geist ist unerschöpflich in seinen Möglichkeiten der Erkenntnis und Versenkung.
6. 遠離因果法然具 – Jenseits von Ursache und Wirkung, alles vollständig
Das ist eine der radikalsten Aussagen. Auf relativer Ebene gilt Karma (Ursache/Wirkung), aber hier wird die absolute Ebene angesprochen.
→ In der tiefsten Wirklichkeit ist nichts zu „erwerben“ oder „zu verbessern“.
(Achtung: Das negiert nicht ethisches Handeln, sondern beschreibt eine andere Perspektive.)
7. 無辺徳海本円満 – Das grenzenlose Meer der Tugenden ist vollständig
Das „Meer der Tugenden“ ist ein klassisches Bild für Buddha-Qualitäten wie Mitgefühl und Weisheit.
→ Diese Qualitäten müssen nicht erzeugt werden – sie sind bereits vollständig vorhanden.
8. 還我頂礼心諸仏 – Verneigung vor den Buddhas im eigenen Geist
Der Schluss bringt alles zusammen: Die Buddhas sind nicht getrennt vom eigenen Geist.
→ Verehrung wird zur Selbsterkenntnis, nicht zur Anbetung von etwas Äußerem.