Mt. Fuji Shugyo....

Eine viertägige Reise in seinen eigenen Geist, das sind die Pilgerreisen oder auch genannt Bergeinstiege (Mine-iri) in Japan. Hierbei reduziert man sich bzw. wird auf die wesentlichsten und minimalsten Ansprüche des Lebens beschränkt.

 

Beim sogenannten "Shugyo" geht es darum seinen Körper und Geist unter bestimmten Voraussetzungen zu trainieren und seine Seele spirituell zu polieren.

 

Das Mount Fuji Shugyo zählt zu den härtesten Trainings im Shugendo neben der Okugake Pilgrimage, die vom Dorf Yoshino nach Kumano führt. 

 

Im Oktober 2023 war ich bereits das erste mal mit der Yamato Shugen Gruppe unterwegs. Keicho "Ryusei Miyamoto" leitet diese Gruppe unter der Schirmherrschaft des Haupttempels "Shogoin" in Kyoto.

Misogi am Tagono-ura Strand in Fuji city
Misogi am Tagono-ura Strand in Fuji city

Am ersten Tag versammeln wir uns am Tagono-ura Shore zeitig am Morgen um im Pazifik mit der traditionellen Kaltwasserreinigung (Misogi) unsere Reise zu beginnen. Von hier aus geht es in das Einkaufsviertel der Stadt Fuji um bei 33 Grad rund fünfundzwanzig Geschäfte zu besuchen. Dabei werden den Besitzern Glück und Segen ausgesprochen und das Geschäft von Unreinheiten und negativen Anhaftungen befreit. Jeder Shopbesitzer erhält ein"Ofuda" ein Holztäfelchen, auf dessen Rückseite all unsere Namen stehen. Auf der Vorderseite die heiligen Sanskrit Silben von Fudo Myoo sowie Datum und andere wichtige Daten unserer Reise. 

Nach fast vierzehn Stunden Gehzeit und 31 km sind wir vom Strand weg endlich auf 500 Höhenmeter des Mt. Fuji angelangt. Dabei besuchten wir verschiedene heilige Plätze Tempel und Schreine in denen wir verschiedene Mantra und Sutra rezitieren. Im "Murayama Sengen Schrein" beendet eine zwei stündigen Zeremonie (Gon-gyo) den ersten Tag.

Am zweiten Tag nach vier Stunden Schlaf werden wir durch den dumpfen Klang des Muschelhorns geweckt. Vom Dai-nichi do gehen wir durch den uralten Wald auf Pfaden und Hohlwegen stetig bergauf. Ohne unseren Bergführer (Dai-sendatsu) würden wir und hier nie zurecht finden. Die Pfade auf dieser Seite des Berges sind ein Labyrinth und hierher verirrt sich niemand.

Nach dreizehn Stunden Gehzeit und 18km dämmert es bereits und wir sind wir auf 2600 Höhenmetern der 6ten Station Houei Sansou angelangt.

Es gibt zwei Onigiri Reisbälle und Grüntee. Duschen oder Waschen gibt es die ganzen vier Tage nicht. Stattdessen erwartet uns ein übervolles Plumpsklo und vier schnarchende Yamabushi mit denen wir uns die paar Quadratmeter im Lager teilen.

Nach wieder nur vier Stunden Schlaf verlassen wir unser Luxusquartier. Unsere Stirnlampen weisen uns den Weg und wir rezitieren im Takt: Zange zange - rokkon shojo - Bekenne, bekenne, reinige unsere sechs Sinne. Das Denken gilt in Japan als sechster Sinn.

 

Doch viel zum Denken kommt man nicht. Durch unsere Stofftabi spüre ich jeden Stein und meine Füße schmerzen. Wie schön wäre jetzt ein Frühstück mit Kaffee und Torte. Der dumpfe Klang des Muschelhorns holt mich schnell in die Realität zurück.

Nach einigen Stunden erleben wir auf 3300hm den Sonnenaufgang und zwei Stunden später stehen wir am Gipfel mit 3770hm.(Kenga-mine)

 

Pause...oh nein, es gibt ein Gon-gyo bei mittlerweile über 80kmh Sturm der aufgekommen ist. 

Danach umrunden wir den Krater und treten auf der Fujiyoshida Seite den Abstieg an.

Am Abend erreichen wir die 6te Station Sei-kan Sou auf 2100 hm.

Nach 14 Stunden Gehzeit will jeder nur noch seine Ruhe.

 

Am vierten Tag nach wiederum vier Stunden Schlaf sind meine Augen so zugeschwollen, das ich fast nichts sehen kann. Der starke Sturm am Vortag verpasste uns ein Lavapeeling am ganzen Körper. Ich bin so kaputt und wir alle stinken sind hungrig und sehnen uns nach einer Dusche, Schlaf und einer leckeren Mahlzeit.

 

Doch Shugyo ist unerbittlich und wir folgen dem Schein unserer Stirnlampen. Wenn man Richtung Berg geht, sieht man als Ziel den Gipfel doch da ist dann noch der Abstieg....

Nach einigen Stunden spüre ich eine Veränderung an mir. Wir gleiten durch den schmalen Bambuspfad, wie auf Schienen. Keine Gedanken mehr an Schmerzen oder körperliche Wahrnehmung. Fasziniert von der Schönheit um uns herum kommt eine tiefe Verbundenheit mit der Natur im mir hoch. Das Zwitschern der Vögel und der Wind der uns streift, ja unsere Sinne sind wahrlich geschärft.

 

Wir erreichen Aokigahara, den Wald der tausend Seelen. Ein berüchtigter und sagenumwobener Wald in dem sich sehr viele Japaner jedes Jahr das Leben nehmen.

Uralte Bäume und dichtes Moos, ich habe noch nie so einen alten und mystischen Wald gesehen denke ich.

 

Wir kommen zur Fuketsu Wideishöhle die uns dreihundert Meter in die Tiefe führt. Dort es gibt es eine spirituelle Meditation und ein Gon-gyo. Nach 14 Stunden Gehzeit erreichen wir den Lake Shoji und unsere Reise ist zu Ende.

Die Dinge die man bei so einer Reise durchlebt habe ich hier nur sehr grob angeschnitten. Die Eindrücke und Kraft die man mitnimmt wenn man wieder in die irdische Welt eintaucht sind unbeschreiblich.

 

Vielen Dank Sensei Ryusei Miyamoto für diese unvergesslichen Erfahrungen.