Praktiken, Gebete, Rituale......

Der Buddhismus und die shintoistischen Lehren bringen in das Shugendo eine ganze Reihe von Praktiken, Gebeten, Zeremonien und Techniken. Die Yamabushi passten viele dieser Dinge ihrer natürlichen Trainingsstätte nämlich den Bergen an. In Europa sind die Reaktionen auf gewisse Praktiken wie wir sie ausführen sehr unterschiedlich, im großen und ganzen stoßen Sie bei "unwissenden" Menschen jedoch auf großes Interesse. Ein Großteil denkt sogar Shugendo besteht nur aus Wasserfallmeditation und Feuerritualen. Das ist jedoch nicht der Fall, denn sehr harte und teilweise lange Gebete stehen hierbei an vorderster Stelle. An dieser Stelle wollen wir einige Praktiken und Rituale erklären ohne dabei die "technische" Anleitung zu geben und zu sehr in die Tiefe zu gehen.

 

Das Wissen, das Westler über den Buddhismus und Shintoismus haben, ist meist recht dürftig, und viele Bücher über Buddhismus sind eher verwirrend. Das ist kein Wunder, denn die Lehren des Buddhismus liegen oft quer zu den gewohnten Mustern westlichen Denkens. Manche westliche Autoren deuten Buddhismus als eine Religion wie andere Religionen auch. Andere sehen ihn als Philosophie und beschreiben ihn als vorrangig intellektuell und rein rational. Manche betrachten ihn als eine Art Therapie, mit der man seine psychischen Schäden kurieren kann. Aber Buddhismus paßt in keine dieser Schubladen. Er unterscheidet sich in vielerlei Weise von der Vorstellung, die üblicherweise mit dem Wort  "Religion" verbunden ist. Buddhismus kennt keinen Schöpfergott, dem man gehorchen müßte oder auf dessen Kraft man bei der Lösung eigener Probleme bauen könnte. Buddhismus kennt kein Dogma, an das man glauben müßte. Er fordert nicht auf, Freiheit und Individualität bei einer höheren Macht abzugeben. Im Gegenteil. Buddhismus ermutigt, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und sich durch eigene Bemühung geistig weiterzuentwickeln.

 

Die Shugendolehren widersprichen nicht philosophischer Vernunft und Logik. Aber zugleich versuchen die Lehren, Menschen für Wahrheiten zu öffnen, die den begrenzten Bereich von Vernunft und Logik überschreiten. Bereiche der Existenz, die eher von der Imagination (Einbildungskraft) denn vom Verstand erfaßt werden. Shugendo ist auch keine exotische Art von Therapie. Es versucht nicht nur, psychische Probleme zu lösen, sondern eröffnet Bewußtseinsdimensionen, die die Vorstellungskraft westlicher Psychologie weit überschreiten